Mehr Stabilität unter Druck: Was Führung im Profifußball wirklich bewirkt

Lesezeit: 6 Min. • Aktualisiert: 05.08.2026

In der Sportwissenschaft wird häufig zwischen kurzfristigen Ergebnissen und langfristiger Leistungsentwicklung unterschieden:

Während Tabellenplätze Momentaufnahmen darstellen, zeigen sich echter Erfolg und Führungsqualität in der Stabilität und Konsistenz von Leistungen über längere Zeiträume hinweg.

Es geht darum, Leistungen konstant auf hohem Niveau zu halten und das nicht nur an einem Spieltag. Denn besonders im Wettkampfsport hängen Ergebnisse und Leistungen von vielen Faktoren ab – wie zum Beispiel täglichen Leistungsschwankungen.

Über die Studie: Welchen Einfluss haben PERMA-basierte Führungsinterventionen?

In ihrer Studie „Leadership micro-behaviors and performance stability under competitive pressure: a stepped-wedge field study in professional football“ (2026) haben Rene Paasch und Gunnar Mau untersucht, wie kurzzeitige Führungsinterventionen auf Fußballmannschaften wirken. Also welchen Einfluss gezielte Maßnahmen haben, mit denen sie Zusammenarbeit, Motivation und Leistung des Teams positiv beeinflussen wollten.

In der Studie dient das PERMA-Modell als Strukturierungsrahmen für konkrete und beobachtbare Führungsverhaltensweisen (Leadership Micro-Behaviours).

Es wurde nicht explizit als Führungstheorie verwendet, sondern vielmehr, um herauszufinden, welche Auswirkungen das Verhalten der Trainer*innen langfristig auf den Erfolg des Teams hat. Doch was beschreibt das PERMA-Modell genau?

Das PERMA-Modell der Positiven Psychologie

Dieses Modell ist ein Rahmenwerk der Positiven Psychologie, entwickelt von Martin Seligman. Das Modell beschreibt fünf zentrale Säulen für ein erfülltes Leben und versucht die Frage zu beantworten:

Was macht Menschen wirklich glücklich und erfüllt?

Bei der PERMA-basierten Führung stehen die Menschen im Team im Mittelpunkt. Das heißt, dass Trainer*innen vor allem die Motivation, das Vertrauen und die Entwicklung der Mannschaft fördern.

Dabei stützen sie sich auf fünf entscheidende Faktoren:

  • Positive Emotionen wie Freude, Zufriedenheit, Optimismus – die emotionale Komponente des Wohlbefindens.
  • Engagement beschreibt den Zustand, wenn man völlig in einer Aktivität aufgeht und die Zeit wie im Flug vergeht. Man ist konzentriert und im Flow.
  • Relationships, also Beziehungen; soziale Verbindungen, Zugehörigkeitsgefühl und gute Beziehungen zu anderen Menschen, die entscheidend für unser Glück sind.
  • Meaning meint das Gefühl, dass das, was man tut, einen größeren Sinn hat – nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere.
  • Accomplishment, Zielerreichung: Beschreibt die Weiterentwicklung und die Zielerreichung: Also das Gefühl, das man hat, wenn man seine Ziele erreicht, sich weiterentwickelt und Fortschritte macht.

Eine der Kernaussagen des PERMA-Modells besagt:

Wahres Wohlbefinden entsteht, wenn verschiedene Faktoren zusammenkommen.

Daher passt es gut zu Trainings- und Sportkontexten, wo all diese Elemente eine Rolle spielen. Wichtiger als die Theorie selbst ist aber, wie sie im echten Trainingsalltag funktioniert: Denn gute Führung zeigt sich nicht in einzelnen guten Momenten, sondern in wiederkehrenden Verhaltensweisen:

  • Wie reagieren Trainer*innen auf Fehler?
  • Wie kommunizieren sie unter Druck?
  • Konzentrieren sie sich auf das, was die Sportler kontrollieren können?
  • Und machen sie Erfolge sichtbar?

Letztendlich geht es nicht darum, welche Haltung Trainer*innen haben – sondern wie zuverlässig sie sind: Denn es kommt nicht nur auf einzelne motivierende Handlungen an: Viel wichtiger ist eine Führung, die Orientierung gibt, Fortschritte sichtbar macht und auch in schwierigen Situationen verlässlich bleibt.

Die Studie auf einen Blick

Ziel: Das Ziel ist es, die Zusammenarbeit, das Vertrauen und die Motivation in Teams zu stärken.

Teilnehmende: Es haben zehn Fußballmannschaften teilgenommen, von denen sechs auf Regionalliga-Niveau und vier Teams auf professionellem Niveau spielten. Jedes Team bestand aus 20 Spieler*innen.

Vorgehensweise: In 24 Wettkampfwochen haben Paasch und Mau Teamdaten und 1.567 tägliche Spielberichte über eine Saison hinweg ausgewertet

Felddesign: Sie verwendeten das „Stepped Wedge-Felddesign“. Das bedeutet, dass nicht alle Gruppen gleichzeitig Führungsinterventionen erhalten haben: Stattdessen wurden sie schrittweise (engl. „stepped“) eingeführt.

Wichtig ist: Die Studie zieht keine direkten Schlussfolgerungen über Ursache und Wirkung. Vielmehr betrachtet sie, welche Muster und Zusammenhänge im alltäglichen Wettkampftraining zu beobachten sind.

Übersicht über die Führungsinterventionen

Paasch und Mau haben sich dabei nicht nur mit klassischen Erfolgskennzahlen wie Siegen oder Tabellenpunkten beschäftigt. Stattdessen haben sie vor allem die Leistungsstabilität untersucht, also ob eine Mannschaft, selbst unter Druck und in schwierigen Situationen über einen längeren Zeitraum hinweg ein zuverlässiges Leistungsniveau aufrechterhalten kann.

Diese Führungsinterventionen wurden im Verlauf der Studie in den Teams angewendet:

  • Positive Stimmung fördern: Trainer*innen würdigen Einsatz, Fortschritte und gute Leistungen – sowohl im Training als auch im Wettkampf.
  • Fokus auf das Wesentliche lenken: In anspruchsvollen Situationen erinnern sie die Spieler*innen an die Aufgaben und Handlungen, die sie selbst beeinflussen können, und sorgen für klare Rollenverteilungen.
  • Offene Kommunikation stärken: Trainer*innen schaffen Raum für Ideen und Feedback der Spieler*innen und fördern einen konstruktiven Umgang mit Fehlern.
  • Sinn und Ziele vermitteln: Sie zeigen deutlich, wie die Aufgaben jeder einzelnen Person zum Erfolg der Mannschaft beitragen.
  • Entwicklung statt nur Ergebnisse bewerten: Das Feedback konzentriert sich vor allem auf die Ausführung, den Lernfortschritt und die Weiterentwicklung – nicht ausschließlich auf Sieg oder Niederlage.

Erkenntnis 1: Gute Führung verbessert nicht automatisch die Ergebnisse: Sie sorgt dafür, dass die Leistung stabil bleibt.

Positives Führungsverhalten von Trainer*innen führt nicht automatisch zu mehr Siegen oder einer besseren Tabellenplatzierung. Dafür hatte es einen anderen wichtigen Effekt: Die Leistungen der Teams wurden konstanter und zuverlässiger – auch unter Druck.

Erkenntnis 2: Kurze, gezielte Führungsimpulse sorgen für mehr Sicherheitsgefühl und stärkeren Glauben an gemeinsame Erfolge.

Nach den Interventionen berichteten die Spieler*innen, dass ihre Trainer*innen häufiger PERMA-basierte Führungsinterventionen zeigten. Doch wie genau trägt gutes Führungsverhalten dazu bei, dass Teams ihre Leistung konstanter abrufen können?

  • Psychologische Sicherheit: Die Spieler*innen trauten sich eher, Fehler offen anzusprechen und neue Ideen einzubringen. Dabei verschlechterte sich die Kommunikation auch unter Druck nicht.
  • Kollektive Selbstwirksamkeit: Das Vertrauen des Teams in die gemeinsame Leistungsfähigkeit nahm zu. Das hat besonders in kritischen Phasen eine stabilisierende Wirkung und sorgt dafür, dass die Leistungen konstant bleiben.

Entscheidend ist, dass sich ein gutes Teamklima nicht zufällig entwickelt: Vielmehr wächst es durch viele kleine, wiederkehrende Verhaltensweisen. Schon kurze Interventionen können die Zusammenarbeit positiv beeinflussen. Auch wenn sich die Beziehungen im Team nicht sofort verändern, entsteht so Schritt für Schritt ein besseres Umfeld für die Zusammenarbeit und den gemeinsamen Erfolg.

Erkenntnis 3: Konstanz ist wichtiger für den Erfolg einer Mannschaft als eine kurzfristige Leistungssteigerung.

Positives Führungsverhalten im Leistungssport wird oft daran gemessen, ob sie zu mehr Siegen oder besseren Ergebnissen führt. Paasch und Mau zeichnen jedoch ein etwas anderes Bild:

Der größte Effekt guter Führung liegt nicht unbedingt in Erfolgen, sondern in mehr Stabilität.

Denn genau diese Stabilität hilft Teams dabei, auch unter Druck oder in schwierigen Phasen konstant gute Leistungen abzurufen.

Konkret bedeutet das: Die Mannschaften gewannen nach der Intervention nicht automatisch mehr Spiele. Allerdings schwankten ihre Leistungen deutlich weniger von Woche zu Woche. Über einen längeren Zeitraum hinweg zeigten die Teams insgesamt konstantere und verlässlichere Leistungen.

Erkenntnis 4: Hoher Wettbewerbsdruck schwächt die Wirkung von Führung

Paasch und Mau wollten unter anderem herausfinden, ob Führungsmaßnahmen unter hohem Wettkampfdruck anders wirken als in weniger stressigen Situationen. Um den Druck zu beurteilen, betrachteten sie verschiedene Faktoren:

  • Die Bedeutung des Spiels
  • Die Anzahl der Spiele in kurzer Zeit
  • Die aktuelle sportliche Situation des Teams

Die Ergebnisse zeigen: PERMA-basierte Führungsinterventionen können Teams grundsätzlich dabei helfen, bessere Leistungen zu erbringen. Allerdings zeigt sich, dass auch positives Führungsverhalten an seine Grenzen stoßen kann: Denn je höher der Leistungs- und Wettbewerbsdruck war, desto schwächer fielen die positiven Effekte aus – sie verschwanden jedoch nicht vollständig.

Unter besonders schwierigen Bedingungen profitierte das Team zwar weiterhin von guter Führung – aber nicht mehr ganz so stark wie in weniger belastenden Situationen.

Besonders wirksam waren die Führungsmaßnahmen in Phasen mit geringerem Wettkampfdruck. In diesen Zeiträumen wurden die Leistungen der Teams deutlich konstanter und verlässlicher. Stieg der Druck, nahm dieser positive Effekt zwar nach und nach ab, verschwand aber nicht vollständig.

Das deutet darauf hin, dass die Wirkung von PERMA-basierten Führungsverhaltensweisen stark vom jeweiligen Umfeld abhängt. Der Wettkampfdruck beeinflusst also, wie stark Führung ihre positiven Effekte entfalten kann.

Erkenntnis 5: Nicht alle psychologischen Faktoren verändern sich

Die tägliche Datenerhebung zeigte, dass die Teilnehmer*innen Führung grundsätzlich positiver wahrnahmen – allerdings gab es keine eindeutigen Veränderungen beim Flow-Erleben oder der Schlafqualität.

Deshalb ist es wichtig, so Paasch, klar zwischen sportlichem Erfolg und Leistungsstabilität zu unterscheiden:

Ein Team kann erfolgreich sein und gleichzeitig starke Leistungsschwankungen zeigen. Umgekehrt kann ein Team konstant gut spielen, ohne dass sich dies sofort in mehr Siegen widerspiegelt. Das zeigt, dass PERMA-basiertes Führungsverhalten vor allem diese Konstanz fördern kann.

Fazit: Gute Führung macht Teams nicht automatisch erfolgreicher: Sie macht ihre Leistung unter Druck deutlich stabiler und verlässlicher.

Paasch und Mau kommen zu dem Ergebnis, dass positives Führungsverhalten von Trainer*innen vor allem die mentale Stärke eines Teams fördert und für mehr Leistungsstabilität sorgt. Der größte Nutzen liegt nicht darin, die Leistung direkt zu steigern, sondern Unsicherheiten und Leistungsschwankungen zu reduzieren. So helfen PERMA-basierte Führungsinterventionen Teams dabei, auch in schwierigen Phasen oder unter hohem Druck konstant auf hohem Niveau zu spielen.

Die kurzen Führungsinterventionen führten dabei nicht zu Verbesserungen in allen Bereichen des Teams. Sie stärkten jedoch gezielt drei wichtige Faktoren:

  • das Sicherheitsgefühl innerhalb des Teams
  • das gemeinsame Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit
  • und die Stabilität der Teamleistungen.

Diese drei Faktoren bilden das Fundament für verlässliche Spitzenleistungen unter Druck – und damit für langfristigen Erfolg im Profifußball.

Die gesamte Studie von René Paasch und Gunnar Mau wurde im Fachjournal „Frontiers in Psychology“ veröffentlicht. Hier kannst du sie nachlesen:

Über die Autoren

René Paasch ist Professor für Sportpsychologie an der DHGS. Seine Forschung beschäftigt sich mit Führung im Leistungs- und Spitzensport, Positiver Psychologie, Leistungsstabilität unter Druck sowie psychologischen Wirkmechanismen in Hochleistungsumgebungen. Darüber hinaus forscht er zu Entscheidungsprozessen und Präventionsstrategien im Freizeit- und Fitnesssport.

Gunnar Mau ist Psychologe und Professor für Marketing und Handel an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Von 2022-2024 war er Präsident und ist aktuell Vorsitzender des Hochschulbeirates der DHGS Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport. Er ist außerdem Mitglied im Expertenbeirat von Media Smart e.V., einer gemeinnützigen und internationalen Bildungsinitiative, die sich für die Förderung von Werbe- und Medienkompetenz stark macht.

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Marnie Zoe Berger

Autor

Marnie Zoe Berger

Copywriter bei der IUNworldGmbH, einer Dienstleistungsgesellschaft für Bildungsunternehmen. Marnie hat mehr als 10 Jahre Erfahrung im Bereich Copywriting und Online Marketing. Wenn sie nicht gerade schreibt, findet man sie an der Isar, beim Malen oder auf ihrer Yogamatte.

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