Handballerin Moana Thelemann über Studium, Profisport und ihre Pläne für die Zukunft

Moana Thelemann ist 20 Jahre alt und spielt Handball in der zweiten Bundesliga bei den Füchsen Berlin. Mit uns hat sie darüber gesprochen, wie sie zu ihrem Sport gefunden hat, wie ihr Trainingsalltag aussieht und wie sie ihre Leidenschaft für Handball mit ihrem Studium vereint.
Lidia Strauch: Hallo Moana, erzähl uns doch mal, wie lange du schon Handball spielst und wie du dahingekommen bist.
Moana Thelemann: Ich habe als Kind viele Sportarten ausprobiert: Schwimmen, Leichtathletik, Tanzen. Mein älterer Bruder hat dann angefangen, Handball zu spielen. Da habe ich beim Training zugeguckt und gesagt: „Ja, das will ich auch machen.“ Das war 2012, da war ich, glaube ich, sechs. Seitdem bin ich dabeigeblieben.
Lidia Strauch: Du hast ja schon früh angefangen: Erst hast du in der dritten Liga gespielt und inzwischen in der zweiten Liga. Wie war das für dich?
Moana Thelemann: Es sind immer ein paar Höhen und Tiefen dabei und ich bin ehrlich: Ich hatte auch schon Zeiten, in denen ich zu meinen Eltern gesagt habe, dass ich aufhören möchte. Aber ich hatte immer sehr viel Unterstützung von meiner Familie.
Mein Vater war Leistungssportler, er hat gefochten. Er hat verstanden, wie ich mich fühle, meinte aber auch, dass ich nicht von heute auf morgen eine Entscheidung treffen soll. Und wie das so ist, natürlich haben die Eltern dann recht.
Ich liebe diesen Sport und ich habe schnell gemerkt, dass ich weitermachen möchte. Ich bin dann für zwei Jahre nach Erfurt gegangen, um beim THC (Anm. Thüringer HC) zu spielen. Das war ein großer Schritt, mit 17 auszuziehen und dann auch noch in eine andere Stadt.
Lidia Strauch: Gab es in deiner sportlichen Laufbahn auch einen ganz besonderen, positiven Moment?
Moana Thelemann: Es gibt immer eine Auswahl des Handballverbands Berlin. Da ist man in der C- oder D-Jugend. Ich wurde zur Auswahl derjenigen eingeladen, die ein Jahr älter waren als ich. Das war ein richtiger Wow-Moment, zu merken, dass ich wirklich ganz gut Handball spielen kann. Ich weiß noch, wie sehr ich mich da gefreut habe.
Und als ich nach zwei Jahren beim THC die Gespräche mit Berlin hatte und die mich wirklich gerne in dem Team haben wollten. Als das geklappt hat, wurde mir bewusst, dass das jetzt die zweite Liga und viel professioneller ist. Da ging dann alles in die richtige Richtung.
„Da ging dann alles in die richtige Richtung.“
– Moana Thelemann
Lidia Strauch: Herzlichen Glückwunsch! Das ist ja wirklich eine große Sache. Wirst du auch manchmal erkannt oder eher weniger?
Moana Theleman: Ja, natürlich nicht auf der Straße. Aber wir haben zum Beispiel bei unseren Heimspielen oft Kinder, die mit uns aufs Spielfeld laufen. Nach dem Spiel wollen sie oft Autogramme haben oder Fotos machen. Das ist schön, weil man das Gefühl hat, dass sie zu einem aufschauen und man irgendwie ein Vorbild ist.

Alltag zwischen Training, Studium und Wettkämpfen
Lidia Strauch: Erzähl uns doch mal von deinem Trainingsalltag: Wie sieht so ein typischer Tag bei dir aus?
Moana Theleman: Das Training ist jeden Tag unterschiedlich, vor allem weil es ein Mannschaftssport ist und viele in der Uni sind oder arbeiten. Zweimal die Woche bereiten wir uns abends mit einer Videoanalyse auf den Gegner vor.
Dann trainieren wir zwei Stunden und zweimal die Woche haben wir eine Krafteinheit. Zwischen den Trainingseinheiten mache ich jetzt seit Neuestem immer etwas für die Hochschule und zweimal die Woche arbeite ich im Trampolinpark.
Lidia Strauch: Was hilft dir in anstrengenden Phasen motiviert zu bleiben, sowohl im Training als auch im Studium?
Moana Thelemann: Ich denke ganz oft an diese Glücksmomente zurück. Zum Beispiel erinnere ich mich an die kleine Moana, wie sehr sie sich gefreut hat, in die Berlin-Auswahl zu kommen. Und jetzt spielt sie in der zweiten Bundesliga.
Immer wenn ich dann in der Halle stehe oder auch einfach mit den Mädels zusammen bin, dann weiß ich, dass ich Spaß daran habe und dass ich weiterkommen möchte.
Moanas Start ins Studium: „Das ist genau das, was ich wollte.“
Lidia Strauch: Du studierst jetzt bei uns an der DHGS. Was studierst du, wie bist du auf uns aufmerksam geworden und warum ist genau der Studiengang für dich das Richtige?
Moana Thelemann: Seit September studiere ich „Angewandte Sport- und Trainingswissenschaft.“ Bis zur elften Klasse bin ich in Berlin auf die Sportschule gegangen, wo ich auch Sporttheorie hatte. Das hat mich sehr interessiert, weil man viel auf sich selbst als Sportlerin anwenden kann. Zum Beispiel das Thema Ernährung oder welche Muskeln man hat.
Eine Freundin hat mir von der Hochschule erzählt und über eine Laufbahnberaterin habe ich den Kontakt zu Sabine Hanika bekommen.
Was sie mir dann erzählt hat, klang genauso, wie ich es mir gewünscht habe. Vor allem, dass ich den Leistungssport gut mit dem Studium verbinden kann und nicht in meinem Training eingeschränkt bin.
Ich habe auch ein Sportlerstipendium bekommen. Das war für mich der ausschlaggebende Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass das genau das ist, was ich wollte und dass es perfekt zu mir passt.
Lidia Strauch: Gibt es etwas aus deinem Studium, das du jetzt im Sport anwenden kannst, oder umgekehrt? Was hilft dir aus dem Handball oder aus der Teamarbeit auch außerhalb des Sports?
Moana Thelemann: Ich arbeite sehr, sehr gerne im Team, bin sehr offen und kommuniziere gerne mit anderen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit anderen in unserer ersten Prüfung, die besteht aus einem Gruppenreferat. Aber auch auf die Präsenztage und besonders darauf, neue Leute kennenzulernen, mit denen man sich dann auch über das Studium austauschen kann.

„Ich glaube, so das absolute Ziel für mich wäre, wenn ich irgendwann mal in der European League spielen könnte.“
Lidia Strauch: Wenn du an deine Zukunft denkst: Wo möchtest du gerne noch hin? Gibt es ein konkretes Ziel, auf das du im Sport noch hinarbeitest?
Moana Thelemann: Erstmal bin ich natürlich schon stolz, wie weit ich es bisher geschafft habe. Ich bin jetzt 20, da habe ich ja schon noch ein paar Jährchen vor mir.
Ich glaube, das absolute Ziel für mich wäre, wenn ich irgendwann mal in der European League spielen könnte. Mit der Mannschaft in andere Länder reisen, andere Kulturen und Spielarten kennenlernen – das stelle ich mir schon sehr cool vor.
Lidia Strauch: Hast du auch schon einen Plan für nach dem Sport? Oder bist du da noch ganz im Hier und Jetzt?
Moana Thelemann: Also ich denke natürlich schon ab und zu drüber nach, weil ich weiß, dass ich nicht so lange Handball spielen kann. Ich möchte jetzt erst mal mein Studium beenden. Aber ich kann mir vorstellen, nach dem Handball auch weiter im Sport zu arbeiten.
Lidia Strauch: Gibt es etwas, was du deinem jüngeren Ich mitgeben würdest?
Moana Thelemann: Ich glaube, dass ich jemand bin, der sich selbst sehr kritisch reflektiert und oft viele Sachen zerdenkt. Deshalb gebe ich meinem jüngeren Ich – aber auch ein bisschen meinem jetzigen Ich – den Tipp, dass alles nicht so ernst ist und dass es nicht nur den einen Weg gibt, sondern viele verschiedene. Und dass ich einfach das machen muss, was sich gut anfühlt, was mein Bauch mir sagt. Dann wird schon alles gut werden.
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Autorin
Lidia Strauch
Als kreativer Kopf im Marketing konzipiert und schafft Lidia neue Ideen & Konzepte, erzählt die Geschichten unserer Hochschule und Alumni und ist Ansprechpartnerin für alle Themen rund um Redaktion, News und Social Media. Neben ihrer Tätigkeit bei der DHGS ist sie gerne auf Reisen, tobt sich künstlerisch aus oder entdeckt die neuesten Food-Trends.
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